Der Kelch 1

Der Kelch

Kapitel 1

Von der Autobahnbrücke blickte Julika auf zähfließenden Verkehr. Er erinnerte sie an das, was sie gestern Abend erlebt hatte. Irgendwann konnte sie das Hampeln und Zappeln und Stochern von dem Typen nicht mehr ertragen. Sie hätte auch selbst etwas mehr beisteuern können, um die Sache interessanter zu machen, aber stattdessen hatte sie einfach Hand angelegt, sich auf den gemeinsamen Orgasmus konzentriert und als es soweit war, war sie dann sanft hinübergeglitten. Wie immer war es ein paar Sekunden lang verwirrend gewesen, alleine die Orientierung im Raum, aber nicht mal ansatzweise so verwirrend, wie für den Stocherer, der sich plötzlich unter ihr befand und verwirrt an die Decke starrte.
Das hat er nun davon, wenn er so ein schlechter Liebhaber ist, dachte sie, gab ihrem alten Körper zum Abschied ein Küsschen, bedankte sich, während sie in die etwas zu sehr nach herben Parfum riechenden Männerklamotten stieg, und verließ die Wohnung.
Sie ging durchs Treppenhaus und auf die Straße und konzentrierte sich dabei auf das neue Gefühl. Als sie zum erste Mal in einen neuen Körper geglitten war, hatte es, abgesehen von dem Schock, etwas länger gedauert, bis sie sich in ihm zurechtfand. Die ersten Schritte waren ziemlich wackelig gewesen, aber es fiel ihr jedes Mal leichter, sich einzugewöhnen. Am Ende funktionierten die meisten Körper doch relativ ähnlich. Wie Autos. Bei dem Gedanken suchte sie ihre Kleidung nach ihrem neuen Portemonnaie ab, fand es in der Hosentasche und stellte fest, dass sie diesmal wieder einen Führerschein hatte. Nicht schlecht. Adresse und Wohnungsschlüssel waren somit auch gefunden.

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