Der Kelch 3

Nicht schon wieder, dachte sie. Das hätte sie dem Kerl, der jetzt eine Kerlin war, überhaupt nicht zugetraut. Und so schnell. Eigentlich langweilte sie das Spielchen schon fast, aber es musste halt sein.

„Wer ist da?“, fragte sie.

„Anton.“ Die Frauenstimme auf der anderen Seite räusperte sich.

„Ja, hier ist Anton“, sagte Julika. „Aber wer ist da?“

„Mach sofort die Tür auf!“, polterte es.

Niedlich, wenn sich Frauen so aufregen, dachte Julika. Irgendwie kann man sie dann nie so richtig ernst nehmen.

„Bist du das, Christiane?“, fragte Julika. „Wie hast du so schnell meine Adresse rausgefunden? Finde ich irgendwie nicht so lustig.“

„Hier ist Anton, verdammte Scheiße.“ Die Stimme von Christiane klang verzweifelt.

„Also ich verstehe, dass euch Frauen so eine Nummer emotional immer etwas mehr mitnimmt als uns Männer, aber mir wäre es lieber, wenn du jetzt gehst.“

Schweigen. Dann: „Das ist meine Wohnung. Und ich hole mir jetzt den Ersatzschlüssel.“

Julika stellte sich vor, wie vor der Tür von Antons bestem Kumpel eine fremde Frau aufkreuzte und den Schlüssel zu Antons Wohnung verlangte. Wenn Anton schlau war, würde er die Situation akzeptieren und sich irgendeine Geschichte dazu einfallen lassen und nicht behaupten, er sei selbst Anton. Aber ob er so schlau war? Sie konnte ihn anscheinend nicht besonders gut einschätzen. Die meisten kamen irgendwann auf die Idee, irgendwelches Wissen zu präsentieren, das nur sie haben konnten. Das führte aber nur selten zu etwas Gutem für sie. Aber egal, sie würde ohnehin nicht lange in dieser Wohnung bleiben. Sie hatte schließlich etwas vor.

Inzwischen hatten sogar schon die Medien das Body-Swap-Syndrom aufgegriffen. Und speziell eine Journalistin hatte offensichtlich verstanden, dass es sich dabei nicht um eine gewöhnliche Geisteskrankheit handelte. Aber das war ja auch der Grund, warum sie sich diesen Körper ausgesucht hatte. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass diese Greta Haffner ihn attraktiv finden würde.

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