Der Kelch 8

Julika hatte Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden, also stellte sie den Sportwagen einfach in zweiter Reihe vor dem Laden ab. Sollte er doch ruhig abgeschleppt werden. Schon von außen sah sie durch die großen Fensterscheiben, dass der Laden rappelvoll war. Als sie die Tür öffnete, schlug ihr der Geruch von gebratenen Tomaten und italienischen Kräutern entgegen zusammen mit Geschirrklimpern, ausgelassenem Plaudern und Gelächtereruptionen. Eine Bedienung kreuzte gerade mit vier Tellern den Raum und maß Antons Körper dabei kurz ab, aber ansonsten beachtete ihn niemand. Wer nicht in ein Gespräch vertieft war, las in der Zeitung oder einer Zeitschrift.

Greta Haffner war nirgends zu sehen. Vielleicht war sie heute zu sehr beschäftigt. Eigentlich wollte Julika das vermeiden, weil es ihr irgendwie so unelegant vorkam, aber sie könnte auch bei ihr zu Hause vorbeigehen und sie unter einem Vorwand direkt ansprechen.

Sie stellte sich an die Kasse und bestellte eine Flasche Rotwein von der Hausmarke. Verkorkt. Sie würde damit einfach bei ihr klingeln und sich als neuer Nachbar ausgeben, der seinen Korkenzieher noch in irgendeinem Umzugskarton hatte. Vermutlich würde die Journalistin sich wundern, dass jemand zum Mittag eine Flasche Wein öffnen wollte, aber das war Julika nur recht. Schließlich war sie daran interessiert, dass sich die ganze Aktion möglichst schnell als Vorwand enttarnte. Sie zahlte und wandte sich zum Gehen. Dabei lief sie direkt in Greta Haffner.

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

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