Der Kelch 10

Julika genoss das Triumphgefühl, das in ihr aufstieg. Manchmal war es so einfach. Sie folgte Greta, legte ihr eine Hand auf den Rücken und schob sie mit sanftem Druck durch die Tür. Das schien ihr zu gefallen, sie lächelte und nestelte an einer Haarsträhne herum.

“Und was machst du so, wenn du nicht gerade bei Nino fremde Frauen anrempelst?”, fragte Greta.

Auf dem Weg über den Bürgersteig kamen sie an Antons Wagen vorbei, aber der spielte gerade keine Rolle. Julika bemühte sich, Antons Stimme besonders männlich klingen zu lassen. “Import-Export”, antwortete sie. Innerlich lachte sie sich über Gretas angestrengt verständigen Gesichtsausdruck kaputt. Gleich würde sie bestimmt behaupten, das klinge interessant.

“Oh, das ist sicher spannend”, sagte Greta. Julika schmunzelte. Es war offensichtlich ziemlich egal, was sie erzählte. Gretas gesamte Körpersprache zeigte deutlich, dass sie auf Antons Körper abfuhr. Julika hätte in dieser Situation auch behaupten können, sie sei in einem Bestattungsunternehmen tätig, und Greta hätte trotzdem Interesse geheuchelt.

Die Wohnung lag im Dachgeschoss, und auf dem Weg nach oben ging Greta voran und wackelte bemüht mit dem Hintern. Vor der Wohnungstür angekommen, nestelte sie eine halbe Ewigkeit mit dem Schlüssel herum. Julika nahm ihr die Tüte vom Italiener aus der Hand und stellte sie auf den Fußboden, dann zog sie die Journalistin an sich und küsste sie fordernd. Gretas Atem beschleunigte sich. Julika entwand ihr den Schlüssel und schloss mit einer Hand die Tür auf, während sie die Frau weiter an sich presste. Sie drängte sie in die Wohnung hinein und drückte sie im Flur gegen die Wand.

Greta seufzte und griff nach Antons Hintern. Gut, dass Anton offenbar regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen war. Julika grinste. Sie übernahm gerne sportliche Körper, das machte vieles einfacher. Selber machte sie nicht besonders gerne Sport, aber wenn sie nicht zu lange in einem Körper blieb, machte sich das mangelnde Training kaum bemerkbar.

Innerhalb kürzester Zeit hatte sie Greta ins Schlafzimmer bugsiert und ausgezogen. Die Journalistin schien vergessen zu haben, dass sie eigentlich gar keine Zeit hatte. Mit geschlossenen Augen lag sie auf dem Bett und stöhnte leise, während Julika sich an ihr zu schaffen machte.

Julika sah das Ziel ihrer Bemühungen schon in greifbare Nähe gerückt, als Greta plötzlich weiter ans Kopfende des Bettes rutschte, sich abwandte und in einer ihrer Nachttischschubladen herumkramte.

“Was machst du da?”, fragte Julika unwirsch.

Greta reichte ihr eine breite Klebebandrolle.

“Fessel mich doch mal!”

Och nö. Julika spürte, wie ihr kurz Antons Gesichtszüge entglitten.

“Das ist keine so gute Idee, Schnuckilein. Wer weiß, was ich dann mit dir anstelle!”

“Mach mit mir, was du willst!”, hauchte Greta.

Was ich mit dir vorhabe, willst du garantiert nicht, dachte Julika. Und wenn du merkst, dass du in Antons Körper gelandet bist, will ich ganz sicher nicht mit Klebeband ans Bett gefesselt danebenliegen …

“Ich steh nicht so auf irgendwelches Zubehör”, sagte sie. “Ich will dich!”

Greta schmollte und rutschte Richtung Bettkante. Julika packte ihre Handgelenke und drückte sie zurück in die Matratze. Den Lauten nach zu urteilen, die aus Gretas leicht geöffneten Mund drangen, schien ihr das zu gefallen. Sie umschlang Antons Körper mit den Beinen. Zufrieden registrierte Julika, dass der Körper mit einer Erektion reagierte. Das klappte nicht immer so gut, manchmal musste sie nachhelfen. Aber zwischen diesen beiden Körpern stimmte einfach die Chemie, das hatte sie von Anfang an geahnt.

Eine halbe Stunde später war sie sich da nicht mehr so sicher. Schweißgebadet und erschöpft lag sie zwischen Gretas Beinen.

“Du, ich brauche mal kurz ne Pause”, sagte sie entschuldigend.

“Jaja, macht ja nichts. Ich müsste dann eh mal. Hab noch viel zu erledigen heute”, entgegnete Greta.

“Aber wir sind doch noch gar nicht fertig!”

Greta lachte schnippisch. “Ich kann so nicht kommen.”

“Was?!”

“Du gibst mir nicht das, was ich brauche. So wird das nichts. Schnuckilein.”

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

 

2 Gedanken zu “Der Kelch 10

  1. Solche gemeinsamen Texte habe ich – produzierend – schon selbst ausprobiert, zu zweit (erfolgreich) und zu viert (weniger).
    Lesend stelle ich fest: So schnell hat mich noch kein Text, egal von wie klein oder großer Anzahl von AutorInnen geschrieben, süchtig nach Fortsetzung gemacht. Nach den ersten paar Abschnitten ist mir völlig egal, wer was geschrieben hat. Ich will mehr. Bitte macht weiter. Gefesselt bin ich schon.

    Gruß

    Ule




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    1. Schreibend stellen wir da ganz Ähnliches fest, Ule. Und wir sind ja so gespannt, ob Julika nun auch bald gefesselt sein wird oder nicht! Also machen wir einfach mal allseits einvernehmlich weiter.




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