Der Kelch 12

Dieses Mal war es anders. Julika spürte sofort, dass Greta sich nun ganz anders auf sie – oder vielmehr auf Antons Körper – einließ. Es war, als hätte sie die ganze Zeit eine Maske getragen, die sie jetzt ablegte. Mit einer Mischung aus Verwunderung und Zärtlichkeit blickte sie in Antons braune Augen. Für einen kurzen Moment fühlte Julika sich auf eigentümliche Art berührt. Greta schien nicht bei Antons Augen Halt zu machen, sondern tiefer in ihn hineinzublicken und zu erkennen, wer sich in ihm befand. Und sie hieß diesen Menschen in ihrem Körper willkommen. Wenn sie wüsste, was sie sich damit einbrockte, dachte Julika mitleidig. Dann schüttelte sie das Gefühl ab. So lief das nicht. Es war wichtig, sich auf die andere Person einzulassen, aber mindestens ebenso wichtig war es, dabei nicht zu vergessen, mit welchem Ziel sie das tat.

Gleich würde es so weit sein. Gretas und Antons Körper näherten sich dem Höhepunkt. Julika versicherte sich mit einem raschen Seitenblick ein letztes Mal, dass der Schlüssel sich immer noch in Gretas Hand befand. Dann ließ sie sich treiben. Der Moment zerdehnte sich ins Unendliche. Greta stieß spitze Schreie aus. Genau im richtigen Augenblick ließ Julika Antons Körper los und glitt hinüber.

Ihre Perspektive kippte. Sie sah hinauf zu Antons Gesicht und stellte zwei Dinge fest. Erstens, sie hätte bei der Entfernung von Antons Nasenhaaren noch gründlicher vorgehen müssen. Und zweitens: Greta hatte den Schlüssel fallen gelassen.

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

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