Der Kelch 17

“Okay, einverstanden”, antwortete Greta.

Julika wollte etwas ausprobieren. Sie packte nun ihrerseits Greta an Antons Arm und obwohl ihre Kraft eigentlich nicht ausgereicht hätte, um Greta zu irgendwas mit Gewalt zu bewegen, ließ sie sich in Richtung der größeren Straße schieben.

Zumindest für einige Schritte. Dann wurde ihr anscheinend bewusst, was da geschah. Mit einer beiläufigen Armbewegung befreite sie Antons Körper mühelos aus Julikas Griff.

“Lass das”, sagte Greta. Sie strahlte plötzlich ein viel größeres Selbstbewusstsein mit Antons Körper aus. “Ich weiß, was du da tust. Ich bin ja nicht total bekloppt.”

Greta legte nun ihren Arm um Julikas Schulter und drückte sie gegen sich. Gerade stark genug, sodass es nicht nach Gewalt aussah, aber Julika spürte, dass sie keine Chance hatte, zu entkommen. Greta strahlte plötzlich ein ganz neues Selbstbewusstsein aus, als ob sie sich langsam an die neue Situation gewöhnte. Und wieder spürte Julika, wie Gretas Körper reagierte und sich gewohnheitsmäßig der herrische Geste unterwarf.

Als sie wieder auf der Hauptstraße ankamen, sagte Julika: “Wo gehen wir jetzt hin? Ich muss echt was essen.”

Wortlos schob Greta sie die Straße entlang, immer weiter von ihrer Wohnung weg.

“Hey!”, rief es hinter Julika. Greta und sie drehten sich um. Dort stand Kai, nur wenige Meter entfernt.

“Kai”, rief Julika, nutzte den Überraschungsmoment und entwand sich Gretas Zugriff. Dann rannte sie los, direkt auf Kai zu und warf sich ihm in den Arm.

“Du hast mich gerettet!”, rief sie und vergrub den Kopf in seiner breiten Brust. Er drehte schob sie hinter ihren Körper und stellte sich schützend vor sie.

“Ich war wohl nicht deutlich genug”, sagte Kai. “Ich zähle jetzt bis drei und dann bist du verschwunden. Für immer.”

Das Herz in Gretas Körper raste. Das war so nervig! Komm mal klar, Schätzchen, dachte sie. Das ist ja so primitiv! Dieser Schiffschaukelbremser ist gut, der kann dir helfen. Aber du findest den doch nicht ernsthaft toll.

Tatsächlich gelang es ihr auf diese Weise, Gretas Körper etwas zu beruhigen.

“Das ist der Verbrecher, den die Polizei sucht”, sagte sie und zeigte auf Greta. Für diese war die Information offensichtlich neu. Das Unbehagen stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.

“Ach”, sagte Kai. “Das ischa man interessant.”

“Wir sehen uns wieder”, sagte Greta und blitze Julika an. “Und ich bekomme von dir zurück, was mir gehört. Versprochen. Und dann lasse ich dich auffliegen.”

Im Umdrehen sagte sie noch: “Ich bin ja mal gespannt, wozu ein Verbrecher so alles in der Lage ist.”

Dann rannte sie in erstaunlich hohem Tempo davon.

Julika stand hinter Kai. Ihr war gar nicht gut im Magen. Und das obwohl der Hunger wie weggeblasen war.

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

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