Der Kelch 20

Kapitel 8

Von der Autobahnbrücke blickte Julika auf zähfließenden Verkehr. Er erinnerte sie an das, was sie heute Morgen erlebt hatte und an alles, was seitdem geschehen war. Sie hatte Kai auf der Fahrt in Richtung Ostsee gebeten, eine kurze Pause zu machen. Die meiste Zeit des Wegs bis hierhin hatte sie geschwiegen. Sie spürte, dass Kai sich Sorgen machte, und vielleicht war das auch gut so. Sie hatte fast schon ein schlechtes Gewissen, dass sie seine Fürsorglichkeit so ausnutzte. Andererseits fühlte sie sich gerade wirklich bedürftig. Auch wenn die Fürsorge eigentlich nicht ihr galt. Oder doch? Sie hatte gerade einfach keine Kraft. Also nutzte sie das Gefühlschaos und die Situation für sich. So war es das Beste. Eine andere Möglichkeit sah sie nicht. Also ließ sie sich einfach weiter treiben und genoss den Schutz von dem Partner einer Fremden. Und es funktionierte.

Im Auto war es ihr plötzlich alles zu eng geworden. Sie brauchte frische Luft. Kai wartete geduldig im Wagen, während sie ein paar Meter über die Autobahnbrücke lief, dann stehen blieb und über das Geländer nach unten schaute. Dort zuckelten die Autos vorbei. Irgendetwas löste der Anblick in ihr aus. Angst. Erregung. Schmerzen. Sie musste daran denken, wie sie vor ein paar Monaten nach dem Unfall im Krankenhaus aufgewacht war.

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

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