Der Kelch 23

In Kais Augen stand die Angst. Sie schienen Julikas zu spiegeln. Ihr Herz raste noch immer. Was war das? Panisch griff sie nach dem Befestigung für den Sicherheitsgurt, nestelte daran herum, aber konnte den unbekannten Mechanismus nicht betätigen. Es schien, als würde sich der Gurt immer enger um ihre Brust ziehen. Sie begann zu keuchen, zu röcheln. Immer heftiger zerrte sie an dem Gurt. Sie bekam keine Luft mehr.

“Hilf mir”, piepste sie.

Obwohl sie immer hektischer und unkontrollierter herumzappelte, gelang es Kai mühelos, sie in Schach zu halten, während er den Sicherheitsgurt löste. Sie riss ihn sich über den Kopf und langte nach dem Griff der Fahrertür. Raus. Einfach nur raus hier. Doch sie hatte die Tür kaum einen Spalt geöffnet, da hatte Kai mit seiner Hand ihren Oberarm schon fest umschlossen. Sie wehrte sich, stieß mit dem Knie gegen das Lenkrad, versuchte, Kai mit der freien Hand zu schlagen, was nur dazu führte, dass er nun beide Arme festhielt.

“Lass mich. Ich muss hier raus!”, rief sie.

“Greta”, sagte er ruhig, während sie weiter zappelte. Greta? Sie war nicht Greta. Sie wusste in diesem Augenblick selbst nicht mehr, wer sie war.

“Da draußen ist die Autobahn”, fuhr er fort. “Ich schlage vor, wir steigen auf meiner Seite aus.”

Sein besonnener Blick und die besänftigende Stimme taten ihre Wirkung. Er ließ einen Arm los, öffnete die Beifahrertür, stieg aus, half Julika ebenfalls hinaus und hielt sie dabei fest.

Sie schnappte nach Luft. Dann knickten ihr die Beine weg. Kai versuchte noch, sie festzuhalten, bremste ihren Sturz ab, konnte aber nicht verhindern, dass Julika auf den Knien landete.

Dann erbrach sie sich auf den Asphalt.

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

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