Der Kelch 34

“Vielleicht.” Gretas Stimme klang leise. Julika hatte jetzt alle Informationen, um sich zusammenzureimen, was geschehen war. Und sie wusste, was sie dazu sagen wollte, ohne genau zu wissen, warum.

“Es war für mich nicht so leicht.” Gretas Hand griff nach Hannas, und Julika spürte, wie Gretas gesamter Körper dadurch zu summen und zu rauschen begann. Aber es war nicht nur der Körper. Es war auch sie selbst. Fast, als hätte sie sich gerade in Greta verliebt. Sie. Julika. Hanna legte die andere Hand zusätzlich auf Gretas.

“So viele Gefühle.” Julika fiel auf, dass sie viel zu schnell atmete. “So viel Durcheinander. Das musste ich für mich erst mal sortieren.”

“Das ist doch vollkommen in Ordnung”, sagte Hanna. “Gefühle sind doch wichtig.” Sie küsste Gretas Handrücken. Julika wurde fast ein bisschen schwindelig. “Und wir sind doch hier alle erwachsen, oder?”

Kais umschloss mit seinen starken Fingern liebevoll Gretas Schulter. Hanna griff nach Svens Hüfte, zog ihn weiter zu sich heran, umschlang seine Beine und lehnte sich an ihn, während er ihr durchs glatte, rotbraune Haar streichelte.

Julika spürte die Wärme von Hannas Hand auf Gretas Handrücken und die von Hannas Haut durch die dünne, schwarze Strumpfhose unter ihrer Handfläche. Sie griff in den Oberschenkel, streichelte darüber, massierte ihn, freute sich, wie fest er trotz seiner Größe zu sein schien.

Hanna hatte den Blick gesenkt und rührte sich nicht. Es war, als hätten alle den Atem angehalten, als würden sie sich bloß nicht bewegen wollen, damit sich dieser Augenblick unendlich ausdehnte.

Julika hielt es nicht mehr aus. Sie zog Gretas Hand zurück, aber Hanna griff danach und hielt sie fest. Sehr fest.

“Ich muss was trinken”, ließ Julika alle mit Gretas Stimme wissen.

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

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