Der Kelch 37

Weiche Lippen. Das war das Erste, was sie spürte. Und auf eine Art gleichzeitig auch das Letzte, was sie irgendwie in Worte fassen konnte oder wollte. Alles, was danach kam, war einfach da, ohne dass es benannt werden musste. Sie war ganz und gar die Lippen, die sie küsste, die sie küssten und gleichzeitig war sie auch alles andere. Haut, Duft, Arme, Haare, Berührung, Bewegung, Geräusche. Atem. Erregung, Entspannung. Sie war eins mit allem und sie war gleichzeitig auch gar nicht. Und das spielte alles keine Rolle. Alles war da und genauso, wie es sein sollte. Weil niemand es bewertete oder in Frage stellte, sondern alles einfach annahm und genoss. Immer tiefer sank sie in diesen warmen süßen und salzigen Kelch, verlor sich, fand etwas anderes, ließ es wieder los und fiel und fiel und fiel, schwebte dahin und verglühte, bis sie immer leichter und leichter wurde, nur noch Asche war, die vom warmen Luftzug herumgewirbelt wurde und dann in unzähligen Staubflocken zerstob.

(Neu hier? Den aktuellen Stand der Geschichte findet ihr hier.)

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